Zum Führer mit „Zum Henker“

Aufruf zur Demonstration gegen die Nazikneipe “Zum Henker“ am 30. April 2010 in Berlin-Schöneweide

Du findest es zum Kotzen, dass Nazis in Ortsteilen durch ihre Infrastrukturen – wie zum Beispiel eigene Klamotten-Läden oder Kneipen – die Möglichkeit bekommen ein widerliches Klima zu erzeugen? Dich nervt die teilweise massive Präsenz von Rassist_innen und Antisemit_innen, die eine latente Bedrohung für all diejenigen darstellen, die deren Menschenbild ein Dorn im Auge sind? Du hast ein Problem mit saufenden Nazis, die in ihren Kneipen beste Möglichkeiten zur Vernetzung bekommen und in aller Ruhe ihre Treffen abhalten können?
Dann bist Du bei unserer Demonstration gegen die derzeit am stärksten frequentierte Nazikneipe in Berlin an der richtigen Adresse! Wir werden am Todestag von Adolf Hitler deutlich machen, dass wir dem andauernden Nazitreiben in Nieder- und Oberschöneweide nicht unwidersprochen zuschauen werden. Wir wünschen der Nazikneipe “Zum Henker“ das gleiche Schicksal, wie einst dem sogenannten Führer des nationalsozialistischen Deutschlands: Das schnelle Ende!

Dass der Treptow-Köpenicker Ortsteil Schöneweide von vielen Nazis als Homezone betrachtet wird, ist leider nichts Neues. Der Kiez ist eine Wohngegend einschlägig bekannter Nazis, aktuell u.a. Andreas Thürmann (JN Berlin), Ines Wegner (ehemals Kameradschaft Berliner Alternative Süd-Ost) und Sebastian Schmidtke (stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Berlin und regelmäßiger Anmelder von Aufmärschen). Zum anderen ist Schöneweide aber nicht zuletzt auch durch die Existenz der seit über einem Jahr existierenden Kneipe “Zum Henker“ in der Brückenstraße 14 zur Spielwiese von Nazis aus ganz Berlin und Brandenburg geworden. Die Kneipe wird von Paul Stuart Barrington betrieben, der für die Internetseite “www.SS88.de“ verantwortlich war und wegen deren Inhalten zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Hinterm Tresen stehen die schon erwähnte Ines Wegener und der Anti-Antifa-Aktivist Danny Leszinski.
Für Menschen, die von den Nazis als “undeutsch“ definiert werden, ist die Kneipe eine tägliche Belastung und permanente Gefahr. Da kann es schon mal vorkommen, dass im Anschluss an ein Rechtsrock-Konzert wie am 30. Oktober 2009 Passant_innen rassistisch angepöbelt und angegriffen werden. An besagtem Tag wurde nach einer “Halloweenparty“ in der Kneipe “Zum Henker“ ein Mann in der Brückenstraße von Nazis auf dem Heimweg erst beschimpft und dann mit einer abgebrochenen Glasflasche so schwer im Gesicht verletzt, dass dessen linkes Auge nun nur noch über geringe Sehkraft verfügt.
Ein weiteres Beispiel für die Aggressionen, welche von der Kneipe bzw. dem Publikum ausgehen, ist der gewalttätige Angriff auf eine Gruppe von Jugendlichen am S-Bahnhof Schöneweide im November letzten Jahres, bei dem ein Jugendlicher schwere Verletzungen am Kopf erlitt, nachdem er von ca. zehn Nazis zusammengeschlagen und -getreten wurde.
Kurze Zeit später, im Dezember 2009, attackierten die Gäste direkt aus der Kneipe heraus eine Gruppe von Jugendlichen, die aus einer nahegelegenden Diskothek kamen. Stunden vorher sind nach einem Naziaufmarsch in Königs Wusterhausen ca. 150 Berliner Nazis „Zum Henker“ gefahren und haben dort, unter den Augen von Beamten und Beamtinnen des lokalen Polizeiabschnittes, den ganzen Abend über Passant_innen in der Brückenstraße bedroht und eingeschüchtert.

Außer als Treffpunkt und Rückzugsort gewalttätiger Nazis, dient die Kneipe “Zum Henker“ diesen auch als Versammlungsort von Nazi-Gruppen. Eine Berliner Sektion der “Hilfsorganisation für nationale Gefangene“ (ein Verein, der inhaftierte Nazis im Gefängnis auf Linie hält) gründete sich dort im Juni 2009. Auch die inzwischen verbotene Kameradschaft “Frontbann 24“ hielt in der Kneipe ihre Treffen ab. Deren Name geht auf die 1924 gegründete Ersatzorganisation der nationalsozialistischen Sturmabteilung SA zurück.
So erfüllt die Kneipe mehrere Zwecke gleichzeitig und neben dem organisierten Nazi-Stammpublikum können natürlich auch Sympathisantinnen und Sympathisanten der Szene bei locker gehaltenen Feiern, wie zum Beispiel am Herrentag, zum Oktoberfest oder nach Fußballspielen, hier zusammen in für sie streng deutscher Atmosphäre den Schulterschluss üben.

Und warum demonstrieren wir noch mal am 30. April?
Nach wie vor nutzen Nazis Daten mit Bezug zum Nationalsozialismus für Aufmärsche und Feiern, weswegen wir den Todestag Adolf Hitlers, den 30. April, als Termin für unsere Demonstration gewählt haben. Unter dem Motto “Zum Führer mit “Zum Henker“ – Nazikneipen dicht machen!“ wollen wir mit euch, wie schon in der Vergangenheit, gegen die Infrastruktur von Nazis demonstrieren.
Nach nur zwei Jahren Laufzeit musste im Herbst 2006 die Nazikneipe “Spreehexe“ in der Schnellerstraße 24 in Niederschöneweide schließen. Das Ende dieses berlinweiten Nazi-Treffpunktes ist maßgeblich der Aufklärungsarbeit von Antifaschist_innen zu verdanken. Auch dort feierten Nazis am 20. April 2006 den Geburtstag Hitlers. Unter den Anwesenden befanden sich dieselben Nazis, die heute den „Henker“ betreiben.

Wir sind nicht der Meinung, dass Probleme mit Nazis sich durch ignorieren lösen. Wir wollen uns bei der Bekämpfung von Nazis nicht auf staatliche Behörden verlassen. Wir tragen unseren antifaschistischen Protest nicht nur anlässlich von Naziaufmärschen auf die Straße – wie beispielsweise am 1. Mai in Berlin – sondern auch an jedem anderen Tag im Jahr. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass in Treptow-Köpenick die NPD-­Bundeszentrale in der Seelenbinderstraße und die Nazikneipe “Zum Henker“ in der Brückenstraße dicht machen müssen!

Schöneweide ist unser Kiez! Zum Führer mit “Zum Henker“! Keine Toleranz für Nazis!

Antifaschistische Demonstration: 30. April 2010 | 17:00 Uhr | S-Bahnhof Berlin-Schöneweide

Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost [ABSO] im März 2010