1000 Menschen demonstrierten in Berlin Treptow-Köpenick unter dem Motto “ Schöneweide ist unser Kiez“

Am Freitag, den 8. Juli demonstrierten rund 1000 Menschen gegen die Neueröffnung des Naziladen “Hexogen“ im Ortsteil Schöneweide in Treptow-Köpenick. Die Auftaktkundgebung begann um 18 Uhr auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Schöneweide. Etwas später setzte sich dann der Demonstrationszug unter dem Motto “Schöneweide ist unser Kiez! Nazistrukturen aufdecken und bekämpfen! Hexogen dichtmachten!“ in Bewegung und führte quer durch den Kiez von Niederschöneweide. Veranstaltet wurde die Demonstration von diversen Berliner Antifa-Gruppen und unterstützt von dem Bündnis für Demokratie und Toleranz Treptow-Köpenick und mehreren Parteien und Politker_innen aus der Berliner Landespolitik.

An der Ecke Brückenstraße/Spreestraße wurde vor der zentralen Kneipe der organisierten Nazi-Szene Berlins “Zum Henker“ eine kurze Zwischenkundgebung durchgeführt. Von dieser Kneipe starteten in der Vergangenheit Nazis immer wieder organisierte und gewalttätige Angriffe auf missliebige Personen im Kiez. “Zum Henker“ ist der Stützpunkt für die organisierte Kameradschaftsszene Berlins und überlebt durch Ausschanks-Einnahmen aus diesem Umfeld und von NPD-Mitgliedern.
Wenige Hausnummern entfernt hat der Berliner Kameradschaftschef und stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke in der Brückenstraße 9 nun den Laden “Hexogen“ eröffnet (in dem Nazi-Kleidung und –CDs und auch Waffen verkauft werden). Beide Lokalitäten sind eng mit einander verknüpft. Es wird versucht Schöneweide zu einer Nazi-Hochburg ausbauen. Vor dem “Hexogen“ fand kurze Zeit später die zweite Zwischenkundgebung statt.

Silvio Kurz vom Antifaschistischen Bündnis Südost [ABSO] wertet die Demonstration als vollen Erfolg. Er sagt, dass es sogar gelungen ist, dass größere Nazigruppen sich nicht nach Schöneweide getraut haben. Stattdessen sind sie nach Adlershof ausgewichen und blamierten sich dort auf einer Gegenkundgebung mit einer geringen Anzahl von Teilnehmer_innen.
Silvio Kurz sagt dazu: “Unsere Demonstration zeigte damit schon deutlichen Erfolg. Uns ist es mit massiver Öffentlichkeitsarbeit gelungen, die gewaltbereiten Nazis am heutigen Tag aus dem Schöneweider Kiez zu vertreiben. Das zeigt ganz deutlich, dass man gegen Nazis aufstehen muss. Nur durch politisches Engagement kann man den Einfluss von “Zum Henker“ und “Hexogen“ in Schöneweide eindämmen. Wer schweigt und nichts tut, stärkt damit die Nazis und verschlimmert die Situation. Wir haben heute in Schöneweide die Zivilgesellschaft ermutigt und darin gestärkt weiter gegen Sebastian Schmidtke und seinen Anhang zu kämpfen“.

Weiter erklärt Silvio Kurz: “Wir haben heute mit 1000 Demonstrantinnen und Demonstranten ein eindeutiges Zeichen gegen die Neueröffnung des Naziladen “Hexogen“ gesetzt. Das kann man nur als mehr als gelungen bezeichnen. Es wird aber nicht das Ende unserer Aktivitäten gegen die organisierte Nazi-Szene in Schöneweide sein. Wir werden solange weiter kämpfen, bis deren Strukturen verschwunden sind. Weitere Aktionen zu dem Thema werden definitiv folgen!“.

Ankündigung, Aufruf und weitere Informationen im Vorfeld
Eine ausführliche Chronologie der rechten Aktivitäten in der Brückenstraße und um den „Henker“ gibt es hier.

Bilder gibt es hier und hier

Presseberichte:

08.07.2011 – Morgenpost: Linke protestieren gegen Laden der rechtsextremen Szene
08.07.2011 – BZ: Linken-Demo gegen neuen Naziladen
08.07.2011 – T-Online.de: Demonstranten greifen Männer mit Flaschen an
09.07.2011 – Stadtmorgen.de: Demonstration gegen Eröffnung eines Ladens der „rechten Szene“ überwiegend friedlich
10.07.2011 – taz: Demo gegen rechte Läden Schöneweide bekommt ganz viel Besuch