Neonazikonzert in Berlin-Schöneweide – Verbindungen zum NSU nachgewiesen

Am 25. Mai wird die Neonaziband „Limited Booze Boys“ in den Vereinsräumen des Rockerclubs Gremium MC „Dark7side“ in Berlin spielen. Das in der Edisonstraße 63 in den Spreehöfen (Ortsteil Oberschöneweide) residierende Chapter des international agierenden Rockerclubs Gremium MC wurde von Neonazis gegründet und ist seit vielen Jahren ein rechtes Sammelbecken.

Der Band „Limited Booze Boys“, die 1999 im thüringischen Stadtroda gegründet wurde, gehört der Neonazi Henning Haydt an, gegen den die Polizei seit 1995 immer wieder wegen Sprengstoffdelikten ermittelte. Bei einer Hausdurchsuchung im Juni 1997 fand die Polizei neben einer mit Schrauben und Nägeln gefüllten Rohrbombe einen Atlas, in dem Orte mit Hakenkreuzen oder Davidsternen markiert waren. Die Markierungen bezogen sich geografisch überwiegend auf KZ-Gedenkstätten in Deutschland. Der Schluss liegt nahe, dass Haydt Anschläge auf diese Orte plante. Kurz zuvor wurde vor dem Jenaer Theater eine Kofferbombe gefunden. Der Koffer war rot lackiert und mit schwarzen Hakenkreuzen auf weißem runden Grund versehen. Hier ermittelte die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen den Leadgitarristen der „Limited Booze Boys“ Haydt, sondern auch gegen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. 1998 tauchte das sog. Terrortrio unter. Haydt spielte ab 1999 bei den „Limited Booze Boys“. Die anderen Bandmitglieder haben mit Haydts neonazistischer Gesinnung kein Problem. So wurde er auf der ehemaligen Bandwebseite im Jahr 2004 sogar als „kurzhaariger Bombenbastler“ betitelt. Kritiker_innen droht man schon mal mit Anzeige. Sämtliche Vorwürfe seien „absolut haltlos“ (Stellungnahme auf der Homepage). Die Band tritt seit etlichen Jahren bei Metal-Festivals und Feiern von Rockerclubs in ganz Deutschland auf, so auch am 25. Mai bei der 11-Jahresfeier im „Dark7side“.

Auch der Veranstalter selbst, das Berliner Gremium-Chapter „Dark7side“, ist tief in die Neonaziszene verstrickt: Präsident des 2004 gegründeten Chapters ist Lars Burmeister, der bereits zu DDR-Zeiten Verbindungen zur „NSDAP-Aufbauorganisation“ hatte und bis zu deren Verbot 1995 Landesvorsitzender der berlin-brandenburgischen „Freiheitlichen Arbeiterpartei Deutschlands“ (FAP) war. Burmeister selbst war Frontsänger der Band „White Aryan Rebels“. Außerdem aktiv bei „Dark7side“ sind die Neonazis Percy Sauer und Chris Fröscher, die 1999 auf dem Heimweg von einem Naziaufmarsch an einem Angriff auf Punks an der Raststätte Stolpe beteiligt waren. Im Umfeld des Chapters sind u.a. Andreas Thürmann, ehemaliger Kader des 2006 aufgelösten „Märkischen Heimatschutz – Sektion Berlin“, und David Eichner unterwegs, der zwischenzeitlich im vom NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke betriebenen Geschäft „Hexogen“ gearbeitet hatte. Eichner wurde im März 2011 beim Sprühen von Hakenkreuzen an Hauswände auf frischer Tat ertappt. Der Gremium MC ist für seine rechtsoffenen Chapter bekannt. Auch in Bremerhaven, Spremberg und anderen Städten sind Neonazis in der Rockerszene unterwegs.

Der Ortsteil Schöneweide im Bezirk Treptow-Köpenick ist mit mehreren von Neonazis betriebenen Geschäften und Kneipen sowie dem Zuzug von Neonazis die Hochburg des neonazistischen Spektrums in Berlin. Neben dem „Dark7side“ befindet sich hier auch der „Hexogen“ und das Lokal „Zum Henker“, das immer wieder Ausgangspunkt für Straf- und Gewalttaten der Neonazis ist.

Tina Böhm, Pressesprecherin des Antifaschistischen Bündnisses Südost (ABSO) äußert sich wie folgt: „Hier kommt zusammen was zusammen gehört! Es wundert uns nicht, dass Nazi-Bands bei einem von Nazis geführten Rockerclub in einem von Nazis dominierten Stadtteil auftreten. Es wundert auch nicht, dass es mal wieder antifaschistische Initiativen sind, die auf diese Tatsache aufmerksam machen müssen. Bereits in der Vergangenheit zeigte sich der Berliner Innensenat bei Neonazikonzerten innerhalb der Stadtgrenzen überfordert.“

In den vergangenen Monaten haben vielfältige antifaschistische Aktivitäten zu einer Thematisierung des Neonaziproblems geführt. Höhepunkt der Kampagne „Gemeinsam Gegen Nazis“ war eine Antifa-Demonstration mit über 4.000 Teilnehmenden am 30. April sowie der Versuch eines breiten Bündnisses, den Naziaufmarsch am 1. Mai 2013 zu blockieren.

„Wir haben inzwischen deutlich gemacht, dass weder die Antifa noch die hiesige Bevölkerung den Nazis das Feld überlassen wird. Daher bleibt auch das Nazikonzert nicht unwidersprochen. Der Gremium MC sollte sich überlegen, ob er in seinem Hauptstadt-Chapter wirklich Neonazis beherbergen will.“

Hintergrundinformationen:
Limit für die „Booze Boys“ (Thüringen) – Keine Toleranz für rechte Musiker!, 8.11.2012,
Gutachten zum Verhalten der Thüringer Behörden und Staatsanwaltschaften bei der Verfolgung des „Zwickauer Trios“ erstattet im Auftrag des Freistaats Thüringen, 14.5.2012, (bes. S. 54)
Exkurs: Neonazis beim Gremium MC, in: Fightback 5, April 2013, S. 64,

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